Bundestagswahl – Gehst du auch wählen?
Fast jeder Einwohner von Deutschland sollte es mitbekommen haben. Überall in den Medien und auf den Straßen wird darüber diskutiert. Die nächste Bundestagswahl steht nämlich an. Viele Wähler sind aber derzeit unschlüssig und wissen gar nicht wen oder was sie wählen sollen bzw. ob sie überhaupt wählen gehen. Unterschiedliche Experten gehen davon aus, dass die Wahlbeteiligung in diesem Jahr einen Rekord-Tiefstand erreichen könnte. Aus diesem Hintergrund heraus werden Aktionen ins Leben gerufen, wie es auch server-abschalten.de getan hat. Demnach sollen die Webadministratoren am Wahltag, also am heutigen Sonntag, ihr Webangebot für eine Stunde, nämlich von 15:00Uhr – 16:00Uhr abschalten. Damit soll verhindert werden, dass unschlüssige Wähler am letzten Wahltag durch das Web abgelengt werden und dennoch zur Wahl antreten.
Die Initiatoren begrüßen zwar die zunehmende Politisierung des Webs, dennoch sehen sie die Sorge darin, dass viele, vor allem kommerziell geprägte Webpräsenzen, bei dieser Aktion nicht mitmachen werden. Auch ist es fraglich zu sehen, ob dieser kurzzeitig organisierte Ansatz, eine Wirkung auf die Internet-Gemeinde haben wird.
Das Problem mit der Wahlbeteiligung ist aber wahrscheinlich noch tiefer verankert. Viele junge Menschen, die nun Wahlberechtigt sind, wissen gar nicht wie das Wahlverfahren abläuft bzw. wie der Bundestag überhaupt aufgebaut ist und welches politische System Deutschland besitzt.
Dies wollen wir euch anhand des Artikels näher erläutern.
So funktioniert die Bundestagswahl
Auf dem ersten Blick ist es nicht einleuchtend wie die Bundestagswahl genau funktioniert.
Wenn man den Wahlzettel vor der Hand hat und darauf blickt, wird man erkennen können, dass man sein Kreuzchen an zwei Stellen setzen muss. Einmal bei der Erststimme und einmal bei der Zweitstimme. Dabei ist die Erststimme für einen Direktkandidaten in euren Wahlkreis. Wer hier die meisten Stimmen in dem Wahlkreis bekommt, kommt direkt in den Bundestag. Insgesamt gibt es 299 Wahlkreise. Dies bedeutet, dass 299 Direktkandidaten in den Bundestag gelangen können. Dadurch ist auch gesichert, dass jede Region innerhalb Deutschlands berücksichtigt wird.
Im Bundestag gibt es aber 598 Sitze, d.h. die restlichen 299 Sitze werden über die Zweitstimme verteilt, nämlich über das Verhältnis der abgegeben Stimmen bei den Parteien selber. Doch nicht jede Partei gelangt einfach in den Bundestag. Voraussetzung für den Eintritt in den Bundestag ist, dass die Partei mindestens 5% aller abgegeben Stimmen erhalten oder 3 Direktmandate in Wahlkreisen erringen muss. Deswegen ist die Zweitstimme von der Wichtigkeit her höher gestellt als die Erststimme.
In diesem Video seht ihr den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme noch genauer: Link (YouTube)
Allerdings gibt es auch die sogenannten Überhangsmandaten. Dies macht die Sache wesentlich komplizierter als sie ist.
Überhangmandate entstehen dann, wenn eine Partei in den Wahlkreisen mehr Direktmandate erringt, als es ihnen per Verhältniswahlrecht, dem Zweitstimmenergebnis, zusteht. Die Partei darf die Überhangsmandaten erhalten, obwohl die Partei dadurch mehr Abgeordnete absendet, als es ihnen zusteht. Dies hängt damit zusammen, weil die Direktmandate vom Volk aus schon direkt gewählt wurden. Eine Umkehrung des Prozesses ist nicht möglich.
Durch die Überhangmandate erhöht sich auch gleichzeitig die Anzahl der Sitze im Bundestag. Ursprünglich ist sie auf 598 Sitze festgelegt. Bei der letzten Bundestagswahl im Jahre 2005 betrug die Anzahl der Sitze 614.
Vom Verfassungsgerecht wurde dies aber mittlerweile als nicht verfassungsgerecht eingestuft und die Fälle dürften bei der übernächsten Wahl nicht mehr eintreten.
In diesem Video könnt ihr es euch nochmal genauer klar machen: Link (YouTube)
Ist “Nicht-Wählen” eine Alternative?
Da ihr nun ziemlich genau den Ablauf der Bundestagswahl kennt, würde ich gerne darauf eingehen, ob „Nicht-Wählen“ eine Alternativ-Lösung ist.
In den Medien hört oder liest man immer wieder, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme ungültig gemacht haben oder erst gar nicht wählen gegangen sind. Zwar ist es nachvollzuziehen, dass man nicht zu hundertprozentig einer Partei übereinstimmt, doch durch „Nicht-Wählen“ unterstützt man statistisch gesehen mehr die großen Parteien. Denn die Parteien profitieren von Nichtwählern proportional zu ihrem Stimmenanteil.
D.h. also wer nicht wählen geht, puscht dadurch den Stimmenanteil der großen Parteien in die Höhe. Man sollte sich also genau überlegen, ob man die bisher Regierenden in dieser Form unterstützen will.
(BKay/Bild (c) by wikipedia.org)











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